„Wie, du hast Geschlechterforschung studiert?“ – Gedanken zu meinem Studium

Meine Lieben,

„Dass du Gender Studies studiert hast, hätte ich gar nicht von dir gedacht!“ – Eine Aussage, die ich mir oft anhören musste und die mich mit zunehmender Häufigkeit immer mehr zum Grübeln brachte. Was für eine Person erwartet man denn, die sich dafür interessiert, sich der damaligen und heutigen Geschlechterverhältnisse zu widmen? Welche Klischees muss sie erfüllen, um als „Feministin“ durchzugehen? Ich war ja überhaupt froh, wenn mir kein peinliches Kichern oder betretenes Schweigen entgegengebracht wurde, sobald ich erzählte, was ich studiere, aber irgendwann war ich es leid, mich „rechtfertigen“ zu müssen. Ich habe dieses Fach, genauso wie meine anderen Fächer im Studium, wirklich geliebt und bin darin aufgegangen, wie man es sich nur wünschen könnte.

Die Intention des Textes soll nicht sein, euch Inhalte von Geschlechterforschung näherzubringen, das können Vorlesungsverzeichnisse wesentlich besser als ich. Nein, mir ist es daran gelegen, euch aufzuzeigen, wie sich meine Einstellung hinsichtlich gewisser Dinge verändert hat und was ich für Erfahrungen im Rahmen meines Studiums gemacht habe.

Die wichtigste Lektion war: Don’t judge a book by its cover! Die vermeintlich Toleranten und die, die es predigen, sind nicht gleichzeitig die, die ihre Maßstäbe erfüllen. Nur weil eine Person Gender Studies belegt, muss sie nicht mit allen Ansichten zu 100% d’accord sein. Eine faire und sachliche Diskussion war leider nicht immer gegeben und sobald es auf die persönliche Ebene geht, ist das im ersten Moment eine verletzende und zugleich aber wertvolle Erfahrung. Ja, ich darf gewisse Standpunkte vertreten und mich dennoch optisch so zeigen, wie man sich in den Augen der die andere Meinung Vertretenden nicht präsentieren sollte. Dass ich, obwohl ich an gewissen Tagen (mal mehr, mal weniger) Wert auf mein Aussehen lege, dennoch dafür sein kann, dass Frauen nicht als sexualisiertes Objekt der Gesellschaft (was im Übrigen genauso für Männer gelten kann!) gesehen werden dürfen – dieses Meinung wurde mir quasi aberkannt. Dieses „Duell“ der zwei unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb des Seminars, ist nur eine kleine Version des Duells, was auf großer Ebene in der gesamten Bevölkerung abläuft. Können wir uns nicht gegenseitig unterstützen und akzeptieren, dass jede einzelne Frau ihre Prioritäten für sich festlegt? Solange wir uns doch in dem großen übergeordneten Ziel einig sind, und das ist schlichtweg die Gleichberechtigung (wer auch immer ein gutes Synonym für dieses inflationär gebrauchte Wort findet, möge sich bitte melden), ist doch einzig allein der Aspekt der Solidarität entscheidend und jede sollte dieses Ziel auf ihrem eigenen Weg und mit ihren eigenen Mitteln erreichen dürfen! Da können und sollten wir uns ein Beispiel an Männern nehmen, denn diese haben das Prinzip der gegenseitigen Förderung, eindeutig mehr internalisiert.

Wieso schließt es sich aus, wenn ich mich als emanzipierte Frau bezeichne, mich aber auch auf ein Essen einladen lasse oder es annehme, wenn mir die Tür aufgehalten wird? Wieso kann ich im Berufsleben nicht darauf pochen, das gleiche Gehalt wie das eines Mannes mit gleicher Qualifikation zu fordern? Wieso verrate ich die vermeintlichen Grundsätze der Geschlechterforschung, wenn ich mir auf Grund mangelnder Kraft beim Tragen von schweren Dingen helfen lasse? Ich muss nicht aus Prinzip das machen, was dem eigentlichen Job eines Mannes (oder wie die Gesellschaft es als Männer-Job klassifiziert) entspricht, kann es aber. Und diese Wahlfreiheit sollte ausnahmslos allen gegeben sein.

Lasst uns nicht in diesen starren Mustern denken, sondern jede für sich ihre Balance finden lassen – darauf kommt es am Ende des Tages an. Oder?

Mich würde brennend interessieren, wie ihr zu diesem durchaus heiklen Thema steht. Ist eurer Meinung nach Gleichberechtigung hierzulande gegeben? Und wie geht ihr mit den Erwartungen an bestimmte Rollenverteilungen um?

Allerliebst
Melia Beli

13 Comments

  • Toller Text und ich gebe Dir recht: Man sollte nicht immer klein und in Mustern denken, das ist einfach unnötig und bringt einem auf Dauer nicht weiter!

    Dein Outfit gefällt mir sehr gut, sieht richtig schön aus mit den zarten Farbtönen. 🙂

    Ich wünsche Dir noch ein schönes Wochenende! 🙂

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Sehr schön geschrieben und gedacht. Ich bin nun schon etwas älter und habe Töchter in deinem Alter. Das Wort „Emanzipation “ ist voll besetzt mit Klischees u Meinungen. Ich würde gerne das Wort „Gleichberechtigung“ ändern und es ersetzen mit „auf gleicher Augenhöhe“. Männer und Frauen ticken anders u Frauen u Frauen auch usw. aber wenn jeder die Stärken u Schwächen des anderen erkennt und seine Stärken einsetzt , wären wir alle schon weiter. Leider habe ich das Gefühl, dass es eher rückwärts geht und Gleichberechtigung verwechselt wird mit „Frau macht alles was ein Mann kann “ und auch umgekehrt . Wir waren vor Jahren schon weiter.
    Auch das wir Frauen als „Sexobjekte“ gesehen werden, war noch nie so präsent wie heutzutage. Aber ich fürchte, das haben wir unseren Medien u der neuen anonymen Kommunikation zu verdanken.
    In einem hast du vollkommen Recht!!! Wir Frauen sollten besser zusammen halten. Dafür beneide ich die Männer sehr. Grüße

    • Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar, Judith! Da hast du in der Tat ein schönes und passendes Synonym gefunden, das werde ich gleich mal „übernehmen“. Ich bin auch dafür, dass man die Differenzen der beiden Geschlechter nicht negiert, sondern sie anerkennt und toleriert – und Lösungen findet, dass jede Person die gleichen Chancen hat. Leider habe ich erst vorgestern wieder die Erfahrung gemacht, dass es immer noch zu viele Frauen gibt, die ein Miteinander nicht als wichtig erachten und das ist einfach nur ernüchternd und schade. Ich wünsche dir einen wundervollen Tag!

  • Danke liebe Melina für diesen Beitrag!
    Ich bin absolut der selben Auffassung und es sollten endlich alle aufhören, in solchen Schubladen zu denken und jeden so sein und tun lassen, wie es einem gefällt, egal ob männlich oder weiblich.

    Hab ein schönes Wochenende
    Liebste Grüße an dich
    Sinah

  • Ich kann echt verstehen, dass es dir auf den Keks geht, dich für dein Studium recht fertigen zu müssen. Ich studiere auch einen Nischenstudiengang und irgendwie scheint es außerhalb der Vorstellungskraft vieler Menschen zu liegen, dass man auch mit Nischenstudiengängen glücklich werden kann.
    Ich persönlich mache mir was das Gleichberechtigungsthema angeht nicht allzu viel Gedanken. Aber denke es wäre schön, wenn wir endlich dahin kämen, dass Frauen und Männer im Job gleichbezahlt werden. Eine positive Entwicklung, die ich gerade vor allem in meinem eigenen Freundeskreis mitbekomme ist, dass mittlerweile viele Männer die Chance auf Elternzeit nutzen und das finde ich wirklich toll.

    Liebe Grüße, Milli
    (http://www.millilovesfashion.de)

    • Ha, da kennst du ja den Struggle! Wahnsinn, wie begrenzt doch teilweise das Vorstellungsvermögen mancher Menschen ist. Dass du in deinem Umfeld mitbekommst, dass zunehmend Männer die Chance auf Elternzeit nutzen, finde ich richtig prima! Das ist doch schonmal ein Anfang 🙂

  • Liebe Melina, erstmal was für eine wahnsinnig interessante Studienrichtung, ich oute mich gerade als unwissen, aber mir war nicht bewusst, dass man das so spezifisch studieren kann und alleine die Reaktion deiner Mitmenschen zeigt aber, wie wichtig gerade so eine Studienrichtung ist. Ehrlich gesagt ist mir Emanzipation oder wie man es auch immer nennen will relativ egal, ich weiß das hört sich jetzt ziemlich ignorant an, bin ich dafür, dass beide Geschlechter gleich verdienen sollten natürlich, aber Gleichberechtigung ist so ein schwieriges Wort, weil Tatsache ist, wir sind nunmal nicht gleich, aber was soll daran denn so schlimm sein, deshalb ja, ich lasse mir beim Tragen helfen, nicht weil ich es nicht könnte, aber weil Tatsache ist, dass mein Mann mehr Kraft hat, deshalb fühle ich mich aber nicht als Opfer, anstatt dem anderen Geschlecht auf Gewalt nacheifern zu wollen, sollten wir das was wir wiederum besser können, hervorheben und da gibt es so einiges. Warum nicht einfach miteinander arbeiten, also immer und immer wieder gegeneinander, oje, ich könnte ewig so weiterschreiben, ich halte besser die Klappe, bevor ich noch eine virtuelle Ohrfeige riskiere, weil ich die Frauenwelt verrate. Toller Beitrag meine Liebe, gaaaanz liebe Grüße, x S.Mirli
    http://www.mirlime.com

    • Liebe Mirli! Merci für deine Gedanken zu dem Thema 🙂 Jaa, den Studiengang gibt es mittlerweile sogar relativ oft (im Gegensatz zu früher) und ich habe auch mal mit dem Gedanken geliebäugelt meinen Master darin zu machen. Nein, gleich sind wir nicht, das will ich auch gar nicht abstreiten. Aber es sollten allen Personen die gleichen Chancen gegeben werden – ganz gleich, welchen Geschlechts sie sind. Wir wären schon ein gutes Stück weiter, wenn mehr Menschen von einem Miteinander ausgehen würden und sich nicht in Konkurrenz zu anderen sehen.. Erst vorgestern durfte ich wieder so eine Erfahrung machen und das ist einfach ernüchternd. Wünsche dir einen tollen Tag!

  • It’s so true that you should never judge a book by its cover. It’s one of those most famous sayings, and yet very little people actually take note of that and use it in their daily lives. So many things would be fixed if only we didn’t judge so harshly and so quickly.

    Amy;
    Little Moon Elephant

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